29. Januar 2022

Ein kleines Stück Normalität

Wie Senioren im Geiselhöringer Seniorenheim ihren Alltag während der Pandemie erleben

Von Alexandra Beck

Bewohner wie Johann Maier (links) und Monika Ganter (rechts) können sich ohne Maske im Heim bewegen, für das Personal wie Einrichtungsleiter Ralf Neiser (Mitte) gilt eine strikte Maskenpflicht.Foto: Alexandra Beck

Besuche nur mit negativem Schnelltest möglich

Geiselhöring. (ale) Seit drei Jahren gelten wegen der Corona-Pandemie Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Weil Senioren die am stärksten gefährdete Gruppe sind, gelten in den Seniorenheimen strenge Auflagen. „Trotzdem versuchen wir für die Senioren, so gut wie irgendwie möglich, Normalität herzustellen“, sagt Ralf Neiser, Leiter des Seniorenheims Geiselhöring.

 

Die 74-jährige Monika Ganter lebt erst seit zwei Monaten im Geiselhöringer Seniorenheim. Obwohl sie zu Hause regelmäßig einen Pflegedienst in Anspruch nahm und zweimal in der Woche eine Studentin sie besuchte, habe sie sich oft einsam gefühlt. „Corona und die Kontaktbeschränkungen haben vielleicht auch etwas dazu beigetragen, dass ich mich einsamer gefühlt habe“, sagt sie. Den Schritt, ins Heim zu gehen, hat sie nicht bereut. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Von Corona bekomme sie im Heim wenig mit. „Trotz der Pandemie bekomme ich regelmäßig Besuch.“

Die Traurigkeit in einigen Gesichtern

Wer als Besucher ins Geiselhöringer Seniorenheim will, muss die Auflagen für 2 G plus erfüllen, also vollständig geimpft sein oder noch als genesen gelten und zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen. „Entweder wird der vor Ort unter Aufsicht durchgeführt oder ein bei einer Teststation gemachter, bestätigter Schnelltest mitgebracht“, sagt Neiser. Die Angehörigen und Bekannten der Senioren haben Verständnis für diese Prozedur und lassen sich davon nicht abschrecken. „Wer zuvor regelmäßig Besuch hatte, bekommt ihn jetzt auch“, sagt Neiser.

 

Der Heimleiter macht aber auch keinen Hehl daraus, dass durch die Auflagen viel Spontaneität verloren geht. Die Besucher müssen sich an die ausgewiesenen Besuchszeiten am Vormittag und am Nachmittag halten, pro Besuch ist nur jeweils eine Person erlaubt. Bewohner und Besucher sollen sich nur im Zimmer und nicht in den Aufenthaltsräumen aufhalten. „Vor der Pandemie gab es Angehörige, die täglich kamen, beispielsweise, um ihren Angehörigen beim Essen zu helfen oder um kurz nach der Arbeit einfach mal schnell ,Hallo‘ zu sagen. Das geht jetzt nicht mehr so einfach“, sagt Neiser. Auch, wenn jeder der Mitarbeiter bemüht sei, den Bewohnern Normalität zu vermitteln, könne diese Lücke vom Personal nicht gefüllt werden. „Da kommen wir an unsere Grenzen.“ Das Personal leiste ohnehin immens viel. „Viele achten bewusst darauf, in ihrer Freizeit nicht zu viele Menschen zu treffen, um die Gefahr, sich anzustecken, zu verringern.“

 

Der 93-jährige Johann Maier lebt seit fünf Jahren im Geiselhöringer Seniorenheim, er ist stellvertretender Vorsitzender des Heimbeirats. „Von Corona kriegen wir hier gar nicht so viel mit“, sagt Maier. Er könne weiterhin uneingeschränkt seinen Hobbys wie Watten und Lesen nachgehen. Weil er im Frühjahr 2021 trotz vollständiger Impfung positiv auf Corona getestet worden war, musste er in Quarantäne. „Auch das habe ich nicht als schlimm empfunden, endlich hatte ich ungestört Zeit zum Lesen“, erinnert er sich. Seiner Meinung nach sind die Einschränkungen für die Mitarbeiter des Seniorenheims gravierender als für die Bewohner. „Sie müssen ständig die Maske aufhaben.“ Der Mund-Nasen-Schutz beeinträchtige aber die Verständigung, gerade weil Maier schwerhörig ist.

 

Alle 80 Bewohner können sich im Heim ohne Maske bewegen. Das soziale Leben wird aufrechterhalten. So nehmen Maier und Ganter regelmäßig am Tanzen im Sitzen teil. Auch die anderen Angebote wie Malen, Singen und Kochen finden statt. „Wir achten darauf, dass die Gruppe nicht größer als vier oder fünf Personen ist“, sagt Neiser. Große Veranstaltungen wie ein Weihnachtsfest oder ein großes Sommerfest, zu dem alle Bewohner zusammenkamen und auch Gäste eingeladen waren, gibt es seit Beginn der Pandemie nicht. „Weihnachten haben wir im kleinen Kreis gruppenweise gefeiert“, sagt Neiser. Vor der Pandemie sei das Team von in domo auch regelmäßig zu Unterhaltungsnachmittagen ins Heim gekommen, „Das geht jetzt nicht mehr, weil zu viele Personen von außen ins Heim kämen.“

Die Traurigkeit in einigen Gesichtern

Obwohl Monika Ganter und Johann Maier die Pandemie nur bedingt als einschränkend erleben, glaubt Neiser, dass Corona nicht an allen Senioren im Heim spurlos vorübergehe. „Wenn ich in manche Gesichter schaue, lese ich da schon eine gewisse Traurigkeit.“ Weitaus schlechter als heute sei die Stimmung während des ersten Lockdowns gewesen, als gar keine Besucher ins Heim durften. Eine wahrnehmbare Zunahme von Depressionen und Demenz bei den Bewohnern stelle er aber nicht fest.

 

Zum Seniorenheim gehört auch ein ambulanter Pflegedienst. Die Vereinsamung bei alten Menschen, die allein zu Hause leben und wegen Corona weniger Kontakte haben, sei durchaus gegeben. „Die Mitarbeiter des Pflegediensts berichten mir schon, dass viele Senioren vereinsamen und durch die fehlenden Kontakte auch erste Anzeichen von Demenz entwickeln.“ Vor der Pandemie war die Tür des Seniorenheims immer offen. „Jeder, der rein wollte, konnte rein, jeder, der raus wollte, hinaus.“ Jetzt müssen Besucher läuten, ein Mitarbeiter kommt zum Schnelltest heraus, nach einem negativen Testergebnis können sie eintreten. Neiser erinnert sich noch gut an den Tag im ersten Lockdown, als er die Tür nach außen verschließen musste. „Eine einschneidende Erfahrung, weil man das eben gerade nicht will, verschlossene Türen. Wir wollen ein offenes Haus sein.“ Die Senioren können, wie zuvor auch, jederzeit das Heim verlassen, in Geschäfte oder ins Café gehen. Monika Ganter macht das gern, Johann Maier bleibt lieber im Heim.

„In meinem Alter hat man vor nichts mehr Angst“

Angst vor Corona haben beide nicht. „Angst zu haben, ist verkehrt. Ich schütze mich, so gut wie es geht, außerdem habe ich so viele andere Krankheiten“, sagt Monika Ganter. Auch Johann Maier bleibt gelassen. „In meinem Alter hat man vor nichts mehr Angst.“

 

Heimleiter Neiser, der für Bewohner und Mitarbeiter Verantwortung trägt, sieht den nächsten Wochen mit gemischten Gefühlen entgegen. Omikron sei noch ansteckender als Delta, niemand wüsste, wann die Pandemie und ihre Einschränkungen endlich vorbei seien. „Mir fehlt ein bisschen das Licht am Horizont, da geht es mir wie vielen.“

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